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Die Power von echter Teamarbeit


09. Oktober 2019

Vor ein paar Jahren war ich Teil eines Teams, das unter denkbar ungünstigen Vorzeichen in die gemeinsame Arbeit startete: Wir mussten innerhalb von gerade einmal sechs Wochen ein Showcase im Bereich Industrie 4.0 fertigstellen. Die Aufgabenstellung erforderte ein wahrhaft cross-funktionales Team, galt es doch nicht nur Softwarekomponenten zu erstellen, sondern auch Herausforderungen im Bereich Mechanik, Sensorik und Elektronik zu lösen. Da das Team nur aus Software-Entwicklern bestand, blieb uns nichts anderes übrig, als uns die fehlenden Kompetenzen innerhalb kürzester Zeit zu erarbeiten.

Trotz der Herausforderungen wurden wir pünktlich fertig. Wir lieferten ein Ergebnis, das die Erwartungen nicht nur erfüllte, sondern sogar übertraf. Und das ganz ohne großen Stress. Wir konnten auf eine spannende, kreative Zeit zurückblicken, hatten alle viel Neues gelernt. Selbst der hohe zeitliche Druck, zu Beginn ein großer Stressfaktor, erwies sich als hilfreich, da er uns davon abgehalten hatte, uns zu verzetteln.

Entscheidend für diesen Erfolg waren die passenden Rahmenbedingungen. Ein Aspekt war, dass wir uns nicht nur auf die Lieferung von Ergebnissen konzentrierten, sondern uns auch die Zeit nahmen, uns fehlende Kompetenzen anzueignen. Ein weiterer wichtiger Punkt war das klare und transparente Ziel, das alle Teammitglieder motiviert hat.

Aber vor allem waren wir als Team erfolgreich gewesen: Wir hatten ein paar elementare Erfolgsfaktoren umgesetzt, die für die Teamarbeit zentral sind – und die leider immer noch viel zu häufig als nebensächlich abgetan werden: Wir haben die Aufgabe in echter Teamarbeit gelöst, mit gemeinsamer Verantwortung für das Ziel und wir haben uns im Rahmen des Projektes zu einem echten cross-funktionalen Team entwickelt, das alle notwendigen Kompetenzen eigenverantwortlich abdecken konnte. Welche Erfolgsfaktoren das in unserem Fall waren, soll im Folgenden kurz dargelegt werden.

Neugierde. Aus meiner Sicht der wichtigste Punkt. Nur mit der entsprechenden Neugierde war es möglich, dass wir als Team innerhalb kürzester Zeit Lösungen in Technologiebereichen fanden, mit denen sich zuvor niemand von uns wirklich auskannte.

Offenheit. Gehen alle Beteiligten offen an die Sache heran, bewirkt dies, dass die teaminterne Kommunikation viel transparenter abläuft und Risiken und mögliche Schwierigkeiten nicht an das Ende des Projektes aufgeschoben, sondern frühzeitig angegangen und gelöst werden. Denn viel zu oft wird es vermieden, heikle Punkte und absehbare Problemfelder deutlich anzusprechen („Von den anderen sagt ja auch niemand was dazu, dann mache ich das Fass besser nicht auf...“). Auf diese Weise häufen viele Teams einen Berg unausgesprochener Probleme an, die ungelöst und unerledigt im Hintergrund lauern. Je früher Probleme angesprochen werden, desto eher können noch gute und kreative Lösungen dafür entwickelt werden.

Mut. Vor allem der Mut, neue Dinge einfach mal auszuprobieren, keine Angst vor dem Scheitern zu haben, hat dazu geführt, dass kreative Lösungen entstanden sind. Der Mut, bestehende Lösungen zu kritisieren und diese dann wesentlich zu verbessern. Und auch der Mut, sich an neue, unbekannte Themen heranzuwagen.

Vorbild-Funktion. Dass es in einem gleichberechtigten Team niemals und zu keinem Zeitpunkt Anführer geben darf, ist ein Irrtum. Warum bei einem bestimmten Problem nicht Kollege P. ans Ruder lassen, der für dieses Thema gerade besonderes Interesse hat? Oder an Kollegin T. übergeben mit ihren kreativen Ideen, wenn es um besonders harte Nüsse geht? Wichtig ist, dass das übrige Team bestmöglich unterstützt und ihrem „Vorbild auf Zeit“ vertraut. Und natürlich ist „auf Zeit“ das Zauberwort: Haben immer die Gleichen das Kommando, ist der Teamgedanke dahin.

Begeisterung. Wo steht, dass man nur mit kühlem Kopf, so sachlich und nüchtern wie möglich, gute Arbeit leistet? In unserem Team damals verband uns die Leidenschaft fürs gemeinsame Ziel. Und auch die Begeisterung für die verschiedenen Technologien war rasch da, nachdem die ersten Berührungsängste abgebaut waren. Gerade hier war es besonders hilfreich, dass die Teamkollegen sich gegenseitig Rückhalt gaben.

Teil-Ziele vereinbaren. Für eine produktive Zusammenarbeit bewährt es sich, klare, kleinschrittige Teil-Ziele zu vereinbaren, wie etwa: Wie weit wollen wir heute kommen? Das erleichtert es auch, transparent zu bleiben, wenn es darum geht, den Fortschritt der gemeinsamen Arbeit einzuschätzen: Haben wir unser „Tagesziel“ erreicht? Sind wir auf dem richtigen Weg? Haben wir uns irgendwo verzettelt? Müssen wir irgendetwas ändern? Und so kann die Erreichung dieser Teil-Ziele auch zu einem wichtigen Motor für die Motivation im ganzen Team sein.

Produktive Fehlerkultur. Gerade im Perfektionisten-Deutschland der Dauerbrenner. Man kann es nicht zu häufig sagen: Keine Angst vor Fehlern! Fehler helfen weiter. Fehler zeigen allen etwas – und zwar, wie es nicht geht. Fehler sind die Chance, klüger zu werden und dazuzulernen.

Seit damals bin ich mir einer Sache sehr sicher: Echte Teams sind ein wahrer Turbo-Booster für bessere Ergebnisse. Und die dafür notwendigen Voraussetzungen werden durch die Rahmenbedingungen bestimmt, unter denen ein Team arbeitet. Hier liegt der Hebel, um die oben genannten Punkte zu ermöglichen. In seinem gleichsam unterhaltsamen wie informativen Video (http://bit.ly/2pmEmwn) beschreibt Daniel Pink die 3 Faktoren für Motivation: Autonomy, Mastery und Purpose. Diese drei Faktoren waren in unserem Fall alle gegeben. Das Team hatte volle Autonomie in der Ausgestaltung der Lösungen. Es waren – trotz Zeitdruck – genügend Freiräume vorhanden, neue Dinge zu erlernen und sich selbst weiterzuentwickeln. Und es gab ein klares, gemeinsames und sinnvolle Ziel, um das sich das Team scharen konnte.

Es lohnt sich also, in die passenden Rahmenbedingungen für echte Teamarbeit zu investieren. Viel Spaß und Erfolg dabei.


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